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Panda-Bergbachschmerle, Yaoshania pachychilus

von | 04.02.2016 | Fische | 2 Kommentare

Eine tolle schwarz-weiße Zeichnung der Jungtiere und die geringe Größe dieser Schmerle von bis zu 8 cm fasziniert die Aquaristik-Gemeinde.

Im Jahr 2009 im importierte der Großhändler Aquarium Glaser die Tiere erstmals als Panda-Zwergplattschmerle Protomyzon pachychilus. Heute werden sie der Gattung Yaoshania zugeordnet. Da die Art laut aktuellem Kenntnisstand in China nur in einer begrenzten Region in kleinen, schnell fließenden Bächen vorkommt und insbesondere durch Umweltzerstörung dort stark gefährdet ist, muss es Ziel sein, die Art (ausschließlich) durch Nachzuchten für die Aquaristik zu erhalten. Inzwischen sind auch bei einigen engagierten Aquarianern Nachzuchten gelungen.

Wasserwerte

Dass die Schmerlen aus kleinen Fließgewässern kommen, die jahreszeitlichen Schwankungen sowie Regengüssen unterliegen, muss beachtet werden. So dürften die Wassertemperaturen in der Natur über das Jahr etwa zwischen 10 °C und maximal 25 °C liegen. Da die Tiere aus strömungsreichen Gewässern und somit hohem Sauerstoffeintrag kommen, der bezüglich Sauerstoffgehalt des Wassers direkt mit der Wassertemperatur zusammen hängt, muss auch im Aquarium eine starke Wasserbewegung und/oder Belüftung gewährleistet sein. Bei mir haben die Schmerlen im Aquarienkeller um 19 °C im Winter und 23 °C im Sommer, wobei durch kräftige Wasserwechsel die Temperatur zwischenzeitlich um bis zu 5 °C nach unten abweichen kann. Einen Heizstab verwende ich nicht.

Die Schmerlen leben in der Natur in weichem Wasser bei recht konstanten Wasserwerten, d.h. auch im Aquarium ist weiches leicht saures Wasser um pH 6,5 anzustreben. Ich messe bei mir nur den Leitwert und stelle ihn auf etwa 200 µSein. Ich verwende entweder Regenwasser aus einer Zisterne mit einem Ausgangsleitwert um 30 µS/cm oder weiches Leitungswasser, dass durch einen Carbonit-Filter läuft.

Hohe Nitratwerte und andere Wasserbelastungen „kennen“ die Fische aus der Natur nicht und vertragen sie nur sehr schlecht auch im Aquarium. Daher sind regelmäßige und umfangreiche Wasserwechsel ein absolutes Muss.

Aquarieneinrichtung

Sicherlich haben die bis zu 7 cm großen Panda-Bergbachschmerlen nichts gegen Pflanzen einzuwenden, aber man sollte damit etwas sparsamer umgehen und dann eher großblättrige nehmen. Die Schmerlen haben sehr große Brustflossen, die aufgrund ihrer Haltung die Fische wie einen Spoiler in der Strömung an den Boden drücken. Die ideale Anpassung an ihren Lebensraum. Daher empfiehlt es sich, das Aquarium so zu gestalten, dass größere glatte Steine in der Strömung liegen, worauf sich die Schmerlen gern aufhalten. Darüber hinaus halten sie sich gern in schattigeren Bereichen auf.

Meine Zuchtgruppe aus 8 Tieren lebt in einem Aquarium mit einer Grundfläche von 125 x 50 cm. Die Nachzuchten von 2013 haben ein entsprechendes Aquarium. Für eine Gruppe dieser sozialen Fische halte ich persönlich ein Aquarium mit 80 x 40 cm Grundfläche für das absolute Minimum. Nano-Aquarien, wie ursprünglich in Zeitschriften zu sehen, sind auch aufgrund der schwer stabil zu haltenden Wasserwerte aus meiner Sicht abzulehnen.

Der Bodengrund besteht bei mir aus einer dünnen Schicht mit feinem Sand oder Soil-Boden und einigen Steinen. Auf Wurzeln aufgebunden habe ich Kongofarn (Bolbitis heudelotii) und Javafarn (Microsorum pteropus), so dass Aquarienbereiche abgedunkelt sind.

Beleuchtet wird nur wenig, so dass die Pflanzen gerade so gedeihen. Dies ist aber Geschmackssache, da die Schmerlen nicht unbedingt lichtscheu sind. Die Filterung erfolgt über Bodenfilter mit Motorpumpe und/oder luftbetriebenen Schwammfilter.

Fütterung

Panda-Bergbachschmerlen leben in weitestgehend pflanzenfreien Gewässern mit starker Strömung, d.h. in ruhigeren Bereichen sammelt sich Falllaub und auf den Steinen eine feine Algenschicht mit Mikrofauna und –flora. Die Schmerlen haben kein spezielles Raspelmaul, um intensiv fest sitzende Algen abzuweiden. Sie ernähren sich vornehmlich von Kleinstorganismen und kleinen Wassertieren, die sie quasi vom Substrat abknabbern. Natürlich nehmen sie dabei auch Algen mit auf und können durch die fleißige Knabbertätigkeit auch Algenrasen abweiden. Daher ist eine abwechslungsreiche Fütterung wichtig, die sowohl Pflanzliches als auch Tierisches enthält.

Ich füttere daher für die Haltung und Zucht fast ausschließlich unsere eigenen Futtersorten (siehe nachfolgend).

Empfohlenes Futter

Wir füttern unseren Alt- und Jungfischen am liebsten unsere Green Power Sticks, Green Power Paste, Sealife Power Paste und Sealife Green Paste. Dazu bekommen sie gelegentlich etwas kleines Lebendfutter wie Wasserflöhe.

Zucht

Kräftige Wasserwechsel mit etwas kühlerem und sauberes Wasser sowie gute Ernährung sind eine wichtige Basis. Dass die Schmerlen, wie ehemals vermutet, eine kühle Überwinterung bei um oder unter 15 °C benötigen, wurden durch meine und andere Vermehrungserfolge widerlegt. Schwankungen und Temperaturen um oder unter 20 °C scheinen allerdings sinnvoll zu sein.

Die Geschlechter sind, wenn die Schmerlen erwachsen sind, anhand der Genitalpapille unterscheidbar. Allerdings ist dies nur ein Kriterium für erfahrene Aquarianer. Auffälliger ist, dass die Weibchen größer und kräftiger sind als die Männchen. Insbesondere laichreife Weibchen wirken deutlich rundlich und sind bei mir noch weniger kontrastreich als die Männchen.

Für die Zucht stellte sich die Frage, wo die Tiere ablaichen wollen. Legen sie die Eier in feine Pflanzen, kleben sie sie an Einrichtungsgegenstände oder verstecken sie die Eier im Kies. Denken wir zurück an die Natur: Keine Pflanzen, selbst eher tierische Kost und starke Strömung im Gewässer. Also bleibt nur, dass sie im oder über dem Kies ablaichen, darin die Eier geschützt verschwinden und die Larven so lange aufwachsen, bis sie groß und kräftig genug sind, sich außerhalb ihres Versteckes gegenüber den Mitbewohnern und den Wassergewalten zu behaupten.

Daher sollte der Aquarienboden oder ein Teil davon mit Kies von 0,5 cm bis 4 cm Größe bedeckt sein, worein die Schmerlen ablaichen und die Jungen aufwachsen können. Im Detritus und feinen Futterresten finden die Jungfische in den Spalten dann genügend Kleinstlebewesen als Futter, um die ersten Tage zu überstehen. Ich habe zwei etwa 10 cm x 20 cm große Schalen mit einer 3 cm dicken Schicht von 5 bis 10 mm großem Kies im Aquarium stehen, worein sie ablaichen können. Die Hälfe der Schale ist mit einer Tonhaube bedeckt, worunter die Schmerlen einen Trichter in den Kies buddeln und dort ablaichen. Eier sind durchsichtig und etwa 1 mm groß. Jungfische haben nach dem Schlußf einen großen, länglichen Dottersack, der innerhalb einer Woche aufgebraucht wird. Jungtiere, die man das erste mal im Aquarium entdeckt, sind etwa 1 cm groß, haben bereits eine Zeichnung und sind dann etwa 1 Woche alt. Bis dahin halten sie sich im Kies versteckt.

Ich habe die Jungtiere früher heraus gefangen und in einen „Gerd-Kasten“ (siehe caridina 3/2014) mit zusätzlicher Filterung gesetzt. Darin ist Sandboden und ein kleiner Lochziegel zum Verstecken. Inzwischen nehme ich sie nicht mehr raus und die kleinen Schmerlen werden bei ihren Eltern groß.

Die Jungtiere nehmen bereits frisch geschlüpfte Artemia, Mikro-Würmchen und feines Staubfutter auf. Sie wachsen bei kräftiger Fütterung und guter Wasserqualität recht schnell.

Nach einem kräftigen Wasserwechsel und Umleitung der Strömungspumpe auf die Ablaichschalen laichen die Schmerlen häufig. Dass sie dies tun wollen, erkennt man an den dicken Weibchen. Diese besetzen dann auch den Laichplatz und balzen die Männchen durch Anstoßen an.

Will man das Ablaichen prüfen, durchsucht man einige Tage später die Ablaichschale mit dem kleinen Kies und findet dort die bis zu 10 mm großen Schmerlenlarven mit extrem großem Dottersack, die sich durch den Kies schlängelten. Nach zwei Monaten sind die Schmerlen bereits an die 3 cm groß.

Färbung

Jungfische sind sehr markant breit schwarz-weiß gestreift. Bereits nach wenigen Monaten verlieren sie die Streifung. Die Musterung wird verwaschener und fleckiger. Die schwarzen Töne werden braun und die weißen gehen ins Cremefarbene. Jungtiere der Panda-Bergbachschmerlen sind normalerweise quer gestreift. Es kommen aber gelegentlich längs gestreifte Tiere vor. Erwachsene Panda-Bergbachschmerlen sind nicht mehr so kontrastreich gefärbt, wie die Jungtiere, aber dennoch attraktiv.

Links

Englische Seite mit vielen Informationen: http://www.seriouslyfish.com/species/yaoshania-pachychilus/

Die Panda-Schmerle bei my-fish: http://my-fish.org/fishothek/zierfische/y/yaoshania-pachychilus-panda-schmerle/

Schlagwörter: schmerlen | yaoshania

2 Kommentare

  1. Avatar

    Hallo,

    Ich bin auf deine Seite gestoßen weil ich mich seit einer Weile mit Schachbrettschmerlen beschäftige.
    Sorry das ich dir jetzt nicht auf anhieb den Lateinischen Namen hin schreibe. Aber Latein ist einfach nicht mein Ding.

    Ich hab ein 450L Gesellschaftsbecken mit Weichwasser.
    Meinen Welsen gefällt es so das ich regelmäßig nachwuchs habe.

    Allerdings stelle ich auch bei den Schachbrettschmerlen hin und wieder fest das ich Balzen.
    Meist 2 machmal auch bis zu 4 Schmerlen werden Blass und fangen an sich zu Jagen und sich an der Afterflosse zu beißen.
    Das geht ein paar Stunden so und dann wird alles wieder Ruhig und die Farbgebung kehrt zurück.

    Auf Grund der geringen Erfolge bei der Nachzucht fehlt mir irgend wie Meinungen und erfahrungen von anderen. Deshalb schreib ich dich jetzt mal an.

    Ich weiß Schachbrettschmerlen sind eine Andere Gattung als die Panda-schmerlen.
    Aber vielleicht gibt es ja doch irgend welche zusammenhänge oder vielleicht hast Du ein paar Tipps für mich.

    Ich würde mich auf jeden fall freuen etwas von dir zu hören.

    gruß Dirk

    Antworten
    • Kai A. Quante

      Moin,
      mit Schachbrettschmerlen haben wir noch keine Erfahrung. Hast Du schon ein Ablaichen beobachtet? Pandaschmerlen laichen im Bodengrund ab. Wenn das die Schachbrett auch machen, dann ist die Frage, welcher Kies und wie tief, damit sie nicht an die Eier kommen.

      Antworten

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Kai A. Quante

Kai A. Quante

Kai A. Quante ist seit Kinderzeiten Aquarianer. Im harten Wasser wurden zu Jungendtagen Lebendgebärende wie Segelkärpflinge, Black Mollies und Platies gezogen. Mit Umzug nach Braunschweig, mit seinem weichen Wasser, vermehrten sich die Aquarien auf inzwischen etwa 60 bis 80 mit 1,5 bis 180 Litern Volumen mit meist kleinen Fisch- und Wirbellosen-Arten, die sich in den Becken tummeln. Gezüchtet wurden früher diverse Harnisch- und Panzerwelse, Zwergbuntbarsche, Labyrinther und Salmler. Durch die Begeisterung für Wirbellose wurden Anfang der 1990er bereits Bienengarnelen gezüchtet, bald kamen Marmorkrebse und Ringelhandgarnelen als Grundlage für die Zucht diverser Krebs-, Garnelen- und Krabbenarten. Urzeitkrebse faszinieren seit Yps-Zeiten in der Jugend und sind ständige Begleiter. Sie bevölkern nun zwischen 20 und 40 Becken. Seit 2015 hat er mit AQ4Aquaristik eine eigene Marke für aquaristische Produkte im Bereich Urzeitkrebse, Futter und aquaristische Produkte.

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