Artname

Die Tiger-Zwerggarnele gehört zur Gattung Caridina und darin in die Serrata-Gruppe. Im Fachchinesisch bedeutet dies: Tiere dieser Gruppe haben eine dorsale Bezahnung des Carpax, einen über das distale Ende des ersten Antennenbasissegmentes reichenden Styloceriten und einen Appendix interna am Endopod des ersten Schwimmbeinpaares der Männchen. Alles verstanden? Wahrscheinlich nicht, daher sei für weitere Informationen zu Bestimmung und Systematik auf deutschsprachige Artikel von Werner Klotz und Andreas Karge verwiesen.

Die Weibchen tragen große Eier, die einen verkürzten Entwicklungstyp der Larven aufweisen. Diese Art ist nahe mit der in der Aquaristik weit verbreiteten und seit über 15 Jahren bekannten Bienengarnele verwandt, von der die markante Farbform Crystal red sehr beliebt ist. Inzwischen ist die Tiger-Zwerggarnele von Werner Klotz nach seiner Frau Maria wissenschaftlich beschrieben worden, weshalb wir sie nun Caridina mariae heißt.

Aussehen

Die Zeichnung der normalfarbigen Tiger-Zwerggarnelen ist im Vergleich zu anderen Arten dieser Gattung recht markant. Auf bräunlich/grünlichem durchsichtigen Körper tragen die Garnelen fünf Querstreifen, die den Körper quasi als Ringel umkreisen. Dabei weisen die Streifen im oberen Teil alle nach hinten und die beiden vorderen ab der Seitenmitte dann nach vorn. An der Schwanzwurzel haben sie einen dunklen Fleck.

Die Weibchen erreichen mit 35 mm ihre maximale Größe. Männchen bleiben mit 25 mm wesentlich kleiner. Bei der schwarzen Tiger-Zwerggarnele, die 2001 erstmals bei Kai A. Quante im Aquarium auftauchte, sind die Querstreifen über den ganzen Körper ausgedehnt, wodurch sie ihre schwarze Farbe erhalten. Je nach Lichteinfall können sie zusätzlich einen braunen oder blauen Schimmer bekommen. Leider zeigen Sie häufig helle Stellen und nur wenige Garnelen sind komplett schwarz. Allerdings scheinen diese hellen Stellen auch stimmungsabhängig bzw. haltungsabhängig zu sein. Aus einem sehr dunklen Aquarium habe ich nur tief schwarze Garnelen gefischt, während es in hellen Aquarien auch fleckige gab. Gezielt schwarz ausgesuchte Tiere, erwiesen sich nach dem Umsetzen in ein anderes Becken wiederum teilweise als fleckig. Ich denke, dass die Farbintensität dennoch durch gezielte Zuchtauslese mit beeinflusst werden kann.

Normalfarbiges Weibchen
Normalfarbiges Weibchen
Schwarzes Männchen
Schwarzes Männchen

Haltung

Die Haltung der doch recht klein bleibenden Garnelen ist denkbar einfach. Schon Aquarien ab 12 Liter Volumen reichen für die erfolgreiche Haltung und Zucht aus. An die Wasserwerte werden keine besonderen Ansprüche gestellt. Die Haltung bei leicht sauren pH-Werten um 6,5, einer Karbonathärte um 3 dKH und einer Gesamthärte bis dGH 8 hat sich bei mir bewährt. Starke Ausschläge um pH 7 mag die Art nicht, d.h. sie sollte zwischen 6,5 und 7,5 gehalten werden.

Eins ist aber immer zu beachten: Alle Zwerggarnelenarten reagieren sehr empfindlich auf die geringsten Spuren von Kupfer im Wasser. Wer also neuere Kupferleitungen im Haus hat bzw. einen Durchlauferhitzer verwendet, muss auf jeden Fall vor dem Wasserwechsel das Leitungswasser, das längere Zeit im Rohr gestanden hat, erst ablaufen lassen. Zum Wasserwechsel wird dann kaltes Wasser verwendet, das nicht durch den Boiler muss oder im Warmwasserspeicher gestanden hat, sondern frisch aus der Leitung kommt. Somit dürfen auch Kupfer enthaltende Medikamente nicht in Garnelen-Aquarien verwendet werden. Wasseraufbereitungsmittel, die Schwermetalle binden sollen, helfen da leider nicht weiter, da sie meist nur zeitweise die Bindung eingehen und die Gifte dann später wieder frei geben.

Bei der Wassertemperatur gilt, lieber etwas kälter als zu warm, d.h. die Temperatur sollte so zwischen 20°C und 25°C liegen. Temperaturen über 28°C führen meist zum Einstellen der Vermehrung und Temperaturen über 30°C bald zum Tode. Temperaturen von 15°C bis 20°C über einen gewissen Zeitraum fördern erfahrungsgemäß bei vielen Arten der Serrata-Gruppe die Vermehrung, wenn die Temperaturen dann wieder steigen, da es die jahreszeitlichen Temperaturschwankungen in ihren Heimatgewässern simuliert. Entsprechendes ist uns ja auch von vielen Fischarten bekannt.

Die Einrichtung des Aquariums sollte mit etwas Holz und vielen Pflanzen erfolgen. Besonders geeignet sind Javamoos, Javafarn und Algenkugeln, da die Garnelen gern im Becken umher klettern und Futter von den Pflanzen abweiden. Der Bodengrund kann aus feinem Kies bzw. Sand bestehen, was den Vorteil hat, dass der Mulm nicht zwischen die Steine fällt. Ich verwende künstliches dunkles Bodengranulat oder speziellen Soilboden mit einer Körnung von 1-2 mm, was insbesondere der Färbung der schwarzen Tiger entgegen kommt, auch wenn helle Farben den Kontrast verstärken würden. Als Filter empfiehlt sich ein Mattenfilter mit Luftbetrieb, der die Junggarnelen nicht absaugt und außerdem das Wasser noch mit Sauerstoff anreichert. Durch die geringe Strömung bei Mattenfiltern kann sich Mulm am Boden absetzen, in dem die Garnelen nach Futter suchen. Auch wird die Filtermatte gern als Futterplatz genutzt.

Vergesellschaftung

Die Garnelen lassen sich sehr gut mit Harnischwelsen, bei mir vorzugsweise Ancistrus-Arten, vergesellschaften. Die Ancistrus ernähren sich vornehmlich vegetarisch und viele Arten lassen sich bei Temperaturen zwischen 22°C und 27°C gut halten und vermehren. Sie stellen den kleinen Garnelen nicht nach und die Garnelen scheinen sich auch vom Kot der Welse bzw. von den Kot fressenden Kleinstlebewesen zu ernähren. Des Weiteren ist eine Vergesellschaftung mit allen anderen Fischen möglich, die den Garnelen nicht bzw. kaum nachstellen. In einem gut bewachsenen Aquarium kommt dann immer noch etwas Garnelennachwuchs durch, wenn die Fische keine argen Garnelenjäger sind. Dabei sei allerdings erwähnt, dass die Garnelen recht scheu werden können, wenn sich hektisch schwimmende Fische wie Lebendgebärende im Aquarium befinden. Da die schwarzen Garnelen doch sehr selten sind, sollte generell eine Vergesellschaftung mit potentiellen Fressfeinden vermieden werden.

Crystal Red Garnelen eignen sich nicht Vergesellschaftung, da sie sich mit den Tiger-Zwerggarnelen kreuzen
Crystal Red Garnelen eignen sich nicht Vergesellschaftung, da sie sich mit den Tiger-Zwerggarnelen kreuzen
Bienengarnelen Caridina logemanni sind eng mit den Tiger-Zwerggarnelen verwandt
Bienengarnelen Caridina logemanni sind eng mit den Tiger-Zwerggarnelen verwandt


Ich halte und züchte meine Garnelen daher in mit Javamoos und Javafarn zugewucherten 45 Liter Aquarien, in denen ansonsten nur verschiedene Wels-Arten gehalten und gezüchtet werden. Außerdem pflege ich einige Tiere in einem 90 Liter Aquarium, in dem meine Zuchtgruppe Blau-Rosa Krebse (Cherax pulcher „Hoa Creek/Irian Jaya“) lebt. Da die Krebse aufgrund ihres sehr starken Durchsatzes an gefressenem Eichen- und Buchenlaub viel Mulm produzieren, hoffe ich dort auch auf reichlich Garnelen-Nachwuchs. Da die Krebse mit 15 cm recht groß werden und den Garnelen nicht nachstellen, ist dies eine gute Kombination, um mehrere Arten von Wirbellosen zu vergesellschaften. Mit Cherax peknyi „Tiger“ und Bienengarnelen habe ich früher sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Vergesellschaftung mit kleinen Krebsarten der Gattung Cambarellus, die nur bis max. 5 cm groß werden, ist nicht zu empfehlen, da die Krebse häufig auf Garnelenjagd gehen. Auch Großarmgarnelen der Gattung Macrobrachium wie die Ringelhandgarnele ist als Mitbewohner nicht geeignet. Die Vergesellschaftung mehrerer Zwerggarnelen-Arten empfiehlt sich ebenfalls nicht. Viele Arten kreuzen sich untereinander und auch wenn das nicht der Fall ist, behält meist eine Art die Oberhand und setzt sich gegen andere durch. Ich habe auch schon beobachtet, wie Bienengarnelen eine andere Art regelrecht angegriffen haben. Außerdem sind Tigergarnelen Caridina mariae und Bienengarnelen Caridina logemanni so nah verwandt, dass es gemeinsamen fruchtbaren Nachwuchs geben kann.

Futter

Es sollte abwechslungsreich gefüttert werden, d.h. gutes Flocken- bzw. Granulatfutter, Frostfutter und Grünalgen. Ich füttere meine Tiere meist mit unserem eigenen, weil ausgewogenen, Futter. Des Weiteren sollte man regelmäßig eingeweichte Blätter von z.B. Eichen und Buchen anbieten, die gern gefressen werden und zur Vermeidung von Häutungsproblemen helfen. Man verwendet keine frischen Blätter, sondern nimmt getrocknetes Laub, das man im Herbst und Winter sammelt.

Green Power Paste
Preis: 9,95 €
14,21 € / 100 Gramm (g)
Green Power Sticks
Preis: 7,95 €
17,67 € / 100 Gramm (g)
Green Micro Powder
Preis: 8,95 €
44,75 € / 100 Gramm (g)

Zucht

Schwarze Tiger-Zwerggarnelen bringen aus ihren ca. 1,5 mm großen Eiern nach einer Tragzeit von drei bis vier Wochen 20 bis 50 fertig entwickelte Junggarnelen zur Welt, die Miniaturausgaben ihrer Eltern sind. Die Entwicklungsdauer der Garnelen in den Eiern hängt stark von der Wassertemperatur ab, wobei unter 20°C und über 28°C die Weibchen bei mir normalerweise keine Eier tragen.

Die kleinen Garnelen sind ca. 2 mm groß und relativ leicht mit feinstem Futter aufzuziehen. In alt eingerichteten Aquarien finden die kleinen Garnelen meist so viel Futter, dass nicht gezielt zugefüttert werden muss. Sehr gut bewährt hat es sich, den Aquarienfilter in einem Eimer in Aquarienwasser auszuwaschen und Teile des sich absetzenden Schlamms wieder ins Aquarium zu geben. Bei dem Schlamm handelt es sich nicht um reinen Fisch- oder Garnelenkot, sondern um sich zersetzendes organisches Material und Mikroorganismen. Beim Verfüttern wird man merken, dass sich die kleinen Garnelen wie eine wilde Meute auf diesen Haufen "Dreck" stürzen. Um beim Ausspülen der Filtermatten keine Junggarnelen, die in den Filterschwamm geklettert sind, zu verlieren, kann man den Schwamm auch direkt im Aquarium ausdrücken.

Die Alttiere sind keine Gefahr für ihre kleinen Kindern, weshalb sie einfach in Gesellschaft der Alttiere aufgezogen werden können. Bei Temperaturen um 25°C sind die Garnelen nach ca. drei bis vier Monaten 2 cm groß und geschlechtsreif. Wenn alles optimal läuft, tragen die Weibchen ca. alle 6 Wochen Eier. Je älter das Weibchen ist, um so seltener geschieht dies, da eine Abhängigkeit zur Häutung besteht und ältere Tiere sich seltener häuten. Dafür tragen große Weibchen mehr Eier als kleinere. Interessant ist, dass schwarze Jungtiere schon bei einer Größe von 3 mm von den normalfarbigen Geschwistern unterschieden werden könne, da sie bereits sehr viel dunkler erscheinen als die normalfarbigen.

Normalfarbiges Weibchen mit Eiern
Normalfarbiges Weibchen mit Eiern
5 mm große Junggarnele
5 mm große Junggarnele


Es sei darauf hingewiesen, dass wir derzeit keine schwarzen Tiger-Zwerggarnelen abzugeben haben!

Im nächsten Teil

Im nächsten Artikel geht es um die Vererbung der schwarzen Tiger-Zwerggarnelen. Besucht uns regelmäßig oder liked unsere Facebookseite um den nächsten Artikel nicht zu verpassen.