Seit vielen Jahren faszinieren uns die Urzeitkrebse in unserem Hobby. Einige kennen noch die Urzeitkrebse als Gimmick aus dem Yps oder natürlich die Nauplien verschiedener Artemia-Arten als Aufzuchtfutter für Fische. Dass es einige Süßwasser-Arten gibt, die im Nano-Aquarium gehalten werden können, ist dagegen nicht vielen Aquarianern bekannt.

Allgemein

Feenkrebse sind Kiemenfüßer, die seit Urzeit auf unserem Planeten vornehmlich in Salzseen, Austrocknungsgewässern oder Polargewässern zu finden sind. In temporären Gewässern fehlen Fressfeinde wie Fische, so dass sie sich dort schnell entwickeln und vermehren können. Sie werden in der Regel nur 6 bis 12 Wochen alt, in denen sie vom Schlupf bis zur Größe von meist 1 bis 3 cm (die größte Art wird über 10 cm groß) wachsen und ihre Eier produzieren.

Erwachsene Feenkrebse Branchinella thailandensis im Aquarium

Für die Aquaristik sind nur Arten aus Asien oder Amerika geeignet, die bei 20 °C bis 30 °C gedeihen können. Sie kommen aus temporären Gewässern, die durch Regenwasser gespeist werden und deren Wasser dadurch sehr weich ist.

Vorbereitung

Ein nur wenige Liter fassendes Gefäß, das passende weiche Wasser, Zysten (quasi weit entwickelte Eier) und das richtige Futter. Schon kann es los gehen...

Für einen Ansatz kann ein beliebiger Behälter von 2 bis 20 Liter, also ein Aquarium oder ein durchsichtiges Gefäß, verwendet werden. Dadurch kann man die kleinen Feenkrebse ab dem Schlupf beobachten. Das Wasser muss mineralstoffarm und frei von Chemikalien sein. Um bei zu weichem Wasser und späterer Fütterung einen Absturz des pH-Wertes zu verhindern, muss es etwas Mineralien enthalten.

Wir verwenden daher für unsere Feenkrebs-Ansätze destilliertes Wasser aus dem Handel gemischt mit Volvic Natürliches Mineralwasser (2 Teile dest. Wasser, 1 Teil Volvic). Für den Bodengrund empfiehlt sich feiner Sand. Etwas Filtermulm aus einem laufenden Aquarium schadet nicht.

Ansonsten wird nur sehr wenig Einrichtung verwendet, da die kleinen Feen Freiwasserschwimmer sind.

Hinweis: Wasser aus dem Trockner eignet sich auf Grund der möglichen Rückstände von Waschmittel und Co. nicht für ein Becken.

Männchen mit den Greifwerkzeugen
Männchen mit den Greifwerkzeugen zum Festhalten der Weibchen
Weibchen mit Eipaketen
Weibchen mit Eipaketen am Hinterleib

Der Ansatz

Die Zysten sind getrocknet, und müssen um sich zu entwickeln mit Wasser in Berührung kommen. Wichtig ist, dass die Zysten von Wasser umgeben sind – sonst ist ein Schlumpf nicht möglich. Sie dürfen nicht seitlich an der Scheibe kleben, wo sie austrocknen. Es ist keine Belüftung notwendig – nur Licht möglichst von oben, welches mindestens 12 Stunden am Tag eingeschaltet sein sollte, da sie sich Richtung Licht orientieren. Eine konstante Temperatur von 24 bis 28 °C ist für die Arten Branchinella thailandensis und Dendrocephalus brasiliensis notwendig. Im Wasser sollte kein Salzgehalt messbar sein. An den pH-Wert wird kein besonderer Anspruch gestellt, wenn er sich um pH 7 bewegt.

Feenkrebse mit dem Paketband-Trick erfolgreich ansetzen

Der Schlupf der kleinen Feenkrebse erfolgt aus den Zysten innerhalb von 1 bis 3 Tagen. Klappt dies nicht, so ist das Wasser ungeeignet oder die Temperatur zu niedrig. Für einen neuen Versuch einfach die Eier (besser geht's mit dem Paketklebeband) trocknen und wieder neu ansetzen. Immer daran denken, dass die Zysten sehr klein sind und daher eine geringe Menge an Zysten bereits ausreicht, um eine schöne Menge an Feenkrebsen aufzuziehen.

Die Nauplien sind sehr, sehr klein und erinnern etwas an Pantoffeltierchen. Sie schwimmen langsam im Wasser, am Licht orientiert, umher. Nach etwa 3 Tagen sind sie bereits als kleine Feenkrebse mit einer Größe von knapp einem Millimeter erkennbar.

Falls Du nicht bereits des Gefäß voll Wasser gefüllt hast, kannst Du nun tageweise Wasser auffüllen. Bitte keine Wasserwechsel mit frischem Wasser machen und immer nur sehr wenig Wasser nachgießen, da die kleinen Feen sehr empfindlich auf Veränderungen der Wasserwerte reagieren.

Aufzucht und Fütterung

Nach 3 bis 4 Tagen kannst Du mit der Fütterung beginnen. Aufgrund der Fütterung und des damit verbundenen zusätzlichen Sauerstoffbedarfs kann eine leichte Belüftung im Aquarium eingebracht werden. Die Membranpumpe bitte nur so einstellen, dass die Belüftung möglichst gering ist. Zugleich wir durch die Belüftung eine Kahmhaut vermieden.

Die Nauplien benötigen im Wasser befindliche pflanzliche oder tierische Organismen. Sie bevorzugen Algenwasser (grünes Wasser), können aber auch gut mit Algenpulver, Fischfutterpulver und Hefe-Wasser-Lösung gefüttert werden.

Futter für Feenkrebse herstellen

Fütterung der Feenkrebse

Als Grundlage für unser Futter verwenden wir das Green Micro Powder und Trockenhefe im Verhältnis 1:3. Entweder nutzt Du unsere fertige Futtermischung für Feenkrebse (siehe Video), die Du optional als Zubehör zu den Feenkrebsen mitbestellen kannst, oder mischst Dir das Futter selbst.

Die Futteremulsion wird mit etwa 100 ml lauwarmem Wasser, einem halben Tütchen Trockenhefe und einem Portionslöffel Green Micro Powder hergestellt, etwa ein bis drei Stunden bei Zimmertemperatur ruhen lassen und dann im Kühlschrank aufbewahrt. Bei der Fütterung immer die Emulsion erst umrühren und nur so wenige Tropfen füttern, dass das Wasser nicht trüb wird. Meist reichen wenige Tropfen.

Bei Algenwasser so viel geben, dass das Wasser eine grüne Färbung erhält. Warte nun ab, bis das Wasser wieder klar wird. Danach kann wieder gefüttert werden.

Zucht und Zysten

Nach 14 Tagen haben die Feenkrebse eine Größe von ca. 1 - 1,5 cm erreicht und beginnen mit der Eiproduktion. Weibliche Feenkrebse erkennt man an dem Eierpaket. Fertig entwickelte Eier sinken auf den Boden. Ein Weibchen kann im Laufe des Lebens einige hundert bis tausend Eier produzieren, was von der Art und Konstitution der Tiere abhängt. In den Eiern stockt die Entwicklung nach einer gewissen Zeit und die Zysten können getrocknet, je nach Art, einige Jahre überdauern.

Feenkrebse werden etwa 6 bis 12 Wochen alt. Da aus den Zysten, die ins Aquarium abgegeben werden, noch keine kleinen Feenkrebse schlüpfen. Ist die Freude mit einem Ansatz nach 2 bis 3 Monaten vorbei. Nun gießt man sehr vorsichtig das Wasser ab und lässt den Bodengrund komplett durchtrocknen. Dieses Gemisch aus Zysten und feinem Sand kann dann, wenn er komplett druchgetrocknet ist, für einen neuen Ansatz genommen werden.

Alternativ saugt man regelmäßig den Boden mit einem feinen Schlauch ab, fängt Bodengrund und Zysten in einem feinsten Sieb auf und nutzt dann dies als Grundlage für Neuansätze. Bitte dran denken, Wasser nur sehr vorsichtig wieder aufzufüllen.

Paar: Weibchen mit einigen Eiern
Paar: Weibchen mit einigen Eiern
Weibchen mit vielen Eiern
Weibchen mit vielen Eiern